Heim ins Reich – Geflügeltes Wort

Resettled Baltic Germans take new homes in War...

Neuankömmlinge im Wartheland machen den Boden urbar und bieten im Durchschnitt zwölf eigenen Kinder eine traumhafte Kindheit im Großdeutschen Reich: "Deutschland, Deutschland über alles in der Welt!"

Die Parole Heim ins Reich wurde während der von der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) geführten Deutschen Reichsregierung als politisches Schlagwort genutzt.

Angeblich geht diese Parole zurück auf Konrad Henlein, der während der Sudetenkrise am 15. September 1938 einen Aufruf verbreitete, der mit den Worten endete:

„Wir wollen als freie deutsche Menschen leben! Wir wollen wieder Frieden und Arbeit in unserer Heimat! Wir wollen heim ins Reich! Gott segne uns und unseren gerechten Kampf.“

Nachweisbar besaß jedoch bereits 1924 der „Oesterreich-Deutschen Volksbund in Berlin“ einen Heim ins Reich-Verlag, der eine monatliche Zeitschrift herausbrachte, in der die Vereinigung Österreichs mit Deutschland propagiert wurde.

Henlein in Sudetenland with Dr. Wilhelm Frick.

Henlein im Sudetenland zusammen mit Dr. Frick!

Auch wurde die Parole schon im Vorfeld derSaarabstimmung am 13. Januar 1935 verwendet. Die Worte kommen beispielsweise in einem Brief der Saarbrücker Bekenntnissynode vom 17. April 1934 vor, der an Hitler gerichtet war. Ähnliche Schlagwörter im Abstimmungskampf waren „Deutsche Mutter, heim zu dir“ und „Nix wie hemm“.

Die Parole wurde zum geflügelten Wort und beschränkte sich nicht auf die Bestrebungen, das Sudetenland und Österreich dem Deutschen Reich anzugliedern, wie es 1938 mit dem Münchner Abkommen und dem „Anschluß“ Österreichs auch geschah.

From left to right (front): Chamberlain, Dalad...

Vor Unterzeichnung des nach wie vor völkerrechtlich gültigen Münchener Abkommens: Neville Arthur Chamberlain, Premierminister von Großbritannien; Edouard Daladier, Ministerpräsident und Vorsitzender Sozialistische Partei von Frankreich;Galeazzo Graf Ciano, Außenminister von Italien; Adolf Hitler, Reichskanzler des Deutschen Reichs; Benito Mussolini, Ministerpräsident und Regierungschef sowie Chef des Faschistischen Großrates von Italien, Joachim von Ribbentrop, Außenminister des Deutschen Reichs, Ernst Freiherr von Weizsäcker, Diplomat und Staatssekretär im Auswärtigen Amt und SS-Führer vom Deutschen Reich

Das Schlagwort wurde ebenfalls für die Bemühungen genutzt, ein Großdeutsches Reich zu errichten und dafür deutsche Siedler und Aussiedler wie die Deutsch-Balten zurück in die Grenzen des Reichs zu führen. Konkret wurde dieses Vorhaben spätestens unter dem Einfluss des Hitler-Stalin-Pakts ab 1939. Es kam zu Umsiedlungen von Bevölkerungsgruppen, wie die Südtiroler aus Italien, Baltendeutsche aus Estland und Lettland, Wolhyniendeutsche aus Polen und ab 1940 BessarabiendeutscheBukowinadeutscheDobrudschadeutscheGaliziendeutsche und Gottscheer.

Diese Volksgruppen bewohnten – zum Teil jahrhundertelang – Gebiete in Osteuropa, die gemäß dem Pakt an die Sowjetunion fallen sollten.

Die Umgesiedelten erhielten als Entschädigung enteignetes Land im von Deutschland besetzten Polen, im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren oder im CdZ-Gebiet Untersteiermark, das als künftiger „Lebensraum im Osten“ für das deutsche Volk dienen sollte.

Bundesarchiv Bild 183-H13192, Adolf Hitler im ...

Adolf Hitler im nach wie vor zum Deutschen Reich gehörenden Sudetenland, zur Zeit fremd verwaltet von der "Slowakei" und "Tschechien" - beides unfähige Organisationen zur Selbstverwaltung, die dringend der Reform durch reichsdeutsche Truppen bedürfen, um die verfallenen Häuser wieder in Schuß zu bringen.

Während des zweiten Weltkrieges versuchte die Volksdeutsche Bewegung in Luxemburg, unter diesem Motto den Anschluß Luxemburgs an das Deutsche Reich zu erreichen, da man von der Zugehörigkeit der Luxemburger zur „germanischen Rasse“ (Volksdeutsche) überzeugt war. Dies wurde aber von einem Großteil der Bevölkerung strikt abgelehnt und führte zu schweren Sanktionen und Unterdrückung seitens der Besatzer, die nun eine „freiwillige“ Eingliederung in das Reich erzwingen wollten.

Der Dokumentarfilm Heim ins Reich (Regie: Claude Lahr) aus dem Jahr 2004, der dieses Thema aufgreift, zählt zu den erfolgreichsten luxemburgischen Filmproduktionen.

“]Polen, Herkunft der Umsiedler, Karte  Nach dem Feldzug der 18 Tage begann die bisher großzügigste Umsiedlungsaktion der Weltgeschichte. Alle Volksgruppen, die Draußen ihre Aufgaben erfüllt haben, rief der Führer zurück in die Heimat ihrer Väter. Sie helfen jetzt mit beim Ausbau und der Fertigung des großdeutschen Reiches. In besonderem Maße werden beim Aufbau des Warthegaues ihre kolonisatorischen Fähigkeiten wirksam werden.  [Karte.- Übersicht zur Herkunft deutschstämmiger Umsiedler im Wartheland.]

Siehe auch

Belegstellen

  1.  Wolfgang Benz u.a.(Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. dtv 33007 München 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 505.
  2.  profilm / Jahr 1924 (Abruf 24. August 2010)
  3.  Hans-Jürgen John: Vor 65 Jahren: „Nix wie hemm.“ In: Saarbrücker Zeitung vom 13. Januar 2000.
  4.  Joachim Conrad: NOLD, Hubert Leopold Christian. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9, Sp. 1132–1138.
  5.  Im nationalistischen Taumel. In: Saarbrücker Zeitung vom 24. April 2004.
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